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America is hard to see

 

Urlaub in den United States of America. Osten, Ursprung, Land of the free (New Hampshire empfängt uns auf der Interstate mit der Forderung „live free or die“).

Und nach 12 Tagen und sieben Staaten gleicht mein Kopf einem melting pot – randvoll mit Eindrücken, die meinetwegen gerne so wild und unsortiert nebeneinander verweilen dürfen, wie sie in meine Großhirnrinde gespült wurden.

New York City, unser Ausgangspunkt und Heimathafen*, ist: Wahnsinn. M&M, unsere Gastgeber, Guides und Trinkkumpanen empfangen uns mit offenen Armen und Weißweinflaschen und katapultieren uns mitten ins Getümmel: to the five boroughs and back, verziert mit ordentlich Trendalkoholika und internationalen Küchenverbrechen: koreanisch, ukrainisch, venezuelanisch. Wir drehen am Schicksalsrad in Coney Island, kotzen an Bäume in Brooklyn und staunen über ausgestopfte Giraffen oder Toilettenperformances in Bushwick. MoMA, Times Square, One World Trade. Das Whitney Museum titelt „America is hard to see“ und ich weiß intuitiv um die Bedeutung dieses Slogans.

Nach 5 Tagen NYC brechen wir in Richtung Nordosten auf. M. kommt mit, raus ans Meer, Cape Cod calling. Räder mieten und Regenbogenflaggen zählen – dürften hunderte sein, es ist Pride-Month und Cape Cod trägt schließlich nicht zu unrecht den Beinamen Cape Cock. Eine Lobsterroll besteht aus einem viertel Pfund Hummer, Brot und einer Bruttoregistertonne Butter. Ein Buckelwal kommt selten allein. Mir wurde schon öfters von Beseelungsmomenten im Zusammenhang mit Walbeobachtungen berichtet. Stimmt, gesehen, gefühlt, Wow!

Weiter geht’s – stabbing northwards. Next stop: Boston, Massachusetts, wo alles mal wieder hübsch gleichzeitig ist. In unserer Nachbarschaft wurde am Tag vor unserer Ankunft ein Teenager erschossen. Gang related crime, so die erste Vermutung. Ansonsten fühlt sich Dorchester an, wie Queens, das Essen beim Senegalesen wie eine Offenbarung und Harvard wie eine Wiese mit Backsteinhäusern drumrum.

Wir werden Zeuge einer kuratorischen Kakophonie bei Isabella Stewart Gardner und sehen grandiose Malereien von Meleko Mokgosi. Im Hafen werden ernshaft Teekisten über Bord geworfen, was allerdings ganz gut zur allgemeinen Entertainisierungswut passt (im One World Trade Center schaut man schließlich auch nicht einfach aus dem Fenster – man muss erstmal multimedial aufgepeitscht werden, bevor der Vorhang sich lüftet).

An Abschiede haben wir uns bereits gewöhnt, aber jetzt wird’s nochmal hart. M. muss zurück nach NY, wir fahren weiter ‚gen Norden. Byebuy & thanks a lot, we will always hate you.

Portsmouth in New Hampshire ist so pittoresk wie obskur. Bei Pickwick’s Mercantile werden wir von gefiederten Zylinderhüten bedient. „May I free your hands, Sir?“ Aber klaro, I hope my mind will follow. Bei Geno’s gibts Clamchowder und Krabbenkram, serviert mit Plastiklöffeln, -schalen und -bechern. Es macht Spaß, Dinge wegzuwerfen. Sein Leben zum Beispiel.

Maine empfängt uns strahlend. Unsere Airbnb-Gastgeberin in Portland hat leider keine Restaurantempfehlung für uns, trotz immenser Gastrodichte in unserem Bezirk Munjoy Hill. Hardly any money. Auch das ist eine Wahrheit in einem Land, das in Parzellen und Schichten aufgeteilt ist. Was schön ist, kostet Geld. Wo’s schön ist, ist Rauchen verboten.

Wir treffen Kyle an der Bar. Eine Minute bis Hitler, nach zwei wirft er sein Bier um. Highschoolsoccerteamkarrierist eben. You’re the best people I ever met, what’s yr name again? (x5)

Rain in Maine, auch schön. Küstenwetter. Portland Museum of Art, Restaurant und Lektüre.

Der nächste Abschied naht. Tschüss Portland, we’re heading into the wild. Beachhouse und so. Next stop: Lincolnville. Ohne Wikipedia-Eintrag. Immer weiter nach Norden, ins Nichts.

—–

Fotos vom Trip gefällig? Bei instagram werden Sie geholfen.

PS: Tipp für OneWTC-Besucher. Besser kein Taschenmesser mitnehmen – das führt zu ungläubigem Kopfschütteln beim Security-Personal, wie meine Gattin feststellen durfte.

*weltstädtisches Geflunker – unsere Homebase war tatsächlich in Hoboken, ein hübsches Städtchen westlich des Hudson River, 15 Minuten entfernt von Manhattan. Der Haken: Hoboken liegt in New Jersey – und das verschweigt man in New York besser, wie uns von allen Seiten versichert wird.

Foto: Glen Ligon: America, gesehen im Whitney Museum of American Art, NYC

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