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Ernest Le Douche is coming

Dieser kleine Videoschnipsel, der mir heute aus dem Archiv für Nachtfalterforschung zugespielt wurde, entstand vor ungefähr zweieinhalb Jahren im Zuge von langwierigen Proben (mindestens eine Stunde, vielleicht sogar mehr) für die Geburtstagsfeierlichkeiten einer lokalen Kulturverdachtsinstitution. Als ästhetisches Dokument aufgrund von schlechter Ton- und Bildqualität nur bedingt zu gebrauchen, hat es dennoch einen immensen Wert für die Literaturgeschichte: es zeigt Ernest Le Douche, den neuen Superstar der Wellnessnuttenliteratur, bevor es ihn überhaupt gab – eine Vorabversion sozusagen, eine Idee, eine Flaschenpost aus der Vergangenheit.

Damals hieß Ernest noch Edward Dezibel und war gerade von einem ausgedehnten Urlaub unter Schafen zurückgekehrt. Vielleicht hieß er auch Marcello Masturbani, ich bin mir dessen nicht mehr so sicher weil Ernest damals Namen wechselte wie andere Leute Sexfreunde: eher oft. Ich erinnere mich an Call Me Ian, an Jennifer Hart, an Abel Kabel und Eddy Spagheddy. Und wäre meine Erinnerung an unsere gemeinsame Jugend nicht durch den vielen vorsätzlichen Alkoholmissbrauch getrübt, ich könnte vermutlich das ganze Internet bis an den Rand vollschreiben mit all den Band-, DJ- und Projektnamen, die Ernest im Laufe seines bisherigen Lebens aus der Traufe gehoben hat.

In obigem Video sitzt er nun also da und scheint weder von den großartigen, unter lebensgefährlichen Bedingungen programmierten Beats von Ksaen noch von der Pfefferschen Wortkunstschule auch nur im Ansatz beeindruckt zu sein. Er sitzt einfach da und schreibt. Vermutlich ging es in seinen Skizzen damals schon um Echsen. Und Schwänze. Und um den schrecklichen Doktor Monokel.

Nachdem Ernest für ungefähr eine Stunde schreibend auf eben jenem Tisch saß, der im obigen Video zu sehen ist (und der mittlerweile schon für zukünftige Generationen konserviert wurde und im Archiv lagert), stand er auf, zog sein Shirt aus, malte sich das Gesicht schwarz an und lieferte eine beeindruckende Bühnen- und DJ-Performance ab. Das ist die Wahrheit.

Und heuer brechen die Dämme: die Geschichte will raus und ans Licht der Öffentlichkeit. Und wo gibt es dieser Tage mehr davon als im Zuckerberg-Universum? Richtig: nirgendwo, weshalb Ernest Le Douche seinen Roman auf Facebook veröffentlicht. Tag für Tag in kleinen Portionen. Als Kostprobe gibt es den Einstieg, die Geburt der Venus, Schaum inklusive:

Geboren wurde ich in einer explosiven Nacht aus getrocknetem Schaum. Weiße Flocken aus kristallinem Angstschweiss formten meinen Körper im unförmigen Uterus einer Stute ohne Schweif. Im Grunde war es ein Unfall – ich, eine Frühgeburt, trank das Fruchtwasser, in welchem ich so gerne schwamm und leitete so meinen eigenen ausgedörrten Auswurf ein. Von da an war klar, dass nichts aus mir werden würde…und ich hieß die Welt willkommen.

Ein Einstieg, wie er mir gefällt. Zur Welt kommen, zur Sprache kommen. Zum Blödsinn und zur Zerrüttung kommen und direkt danach zum Dosenbier. Gerne auch in Kreisen und Zyklen. Die Sonne geht auf, die Erde geht unter. TagfürTagfürTag.

Und jeden Tag mit Neuigkeiten aus dem Hause Le Douche: hier entlang bitte.

Mehr Infos:
Ernest Le Douche bei facebook
Ernest Le Douche bei wordpress

Und am Rande: gerade bei der Suche auf Videomaterial auch auf dieses Dokument der damaligen Partynacht gestoßen (starring Ksaen, Pfeffer, die Apothekerin des Todes  Ernest Le Douche & jede Menge freundliche Tänzer und Tänzerinnen). Was ne Nacht!

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