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It’s love – give it away!

2014-03-16 14.04.53 HDR
Meine Idealvorstellung von einem gelungenen Sonntag sieht ungefähr so aus: die famose Ausgehgruppe  treffen, gerne schon am Vormittag, Kaffe trinken, Unsinn reden, ab ins Auto, Bäume umfahren, direkt über Los, ab in Richtung Kunst, Kultur, wenn’s sein muss auch: Natur – dann aber gerne die begehbare, kulturell überformte Variante inklusive Gastro-Anschluss.

So geschehen gestern, als es mit der Peergruppe nach Bregenz ging. Dort gibt es im notorisch gut kuratierten Kunsthaus momentan eine große Einzelausstellung von Pascale Marthine Tayou zu sehen, der mir bislang – trotz Documenta- und Biennale-Beteiligungen – kein Begriff war.

Der Titel der Ausstellung „I love you“ prangt dem geneigten Betrachter bereits vor dem Betreten des Kunsthauses in Neon-Schrift entgegen und eröffnet ein doppeldeutiges Spiel. Was auf den ersten Blick als optimistisch-naives Glücksversprechen erscheint, wird im Zusammenhang mit den übrigen Exponaten um ebenso kritische wie skeptische Dimensionen angereichert. Was wir meinen, wenn wir von Liebe sprechen, lässt sich sicher nicht beantworten, ohne Aspekte des Konsums, der Aneignung und der Gewalt zu berücksichtigen. In ähnlicher Weise befragt Tayou die großen kulturellen Narrative „Tradition“, „Herkunft“, „Nation“ und „Identität“ auf ihre Konsistenz in einem postkolonialen Spannungsgefüge zwischen Touristenattraktion, Souvenirverkauf und weltweiter Waren- und Müllzirkulation. Ende der 60er-Jahre in Kamerun geboren, spürt Tayou in vielen seiner Arbeiten vor allem der Repräsentation afrikanischer Identitäten nach und findet dabei zu einer Art und Weise der Darstellung, die sehr deutlich auf den Punkt kommt, ohne je lehrmeisterlich oder weltverschlossen zu sein (in einer ersten Reaktion fand ich diesen Umgang mit der Materie erstaunlich. In einer zweiten Überlegung fand ich mein Erstaunen darüber erstaunlich. Jetzt sitze ich schon wieder im Reflexions-Schleuderprogramm fest und freue mich über die lustigen Effekte, hurra!).

Was mir besonders gut an der Position Tayous gefällt, ist die Konsequenz, mit der er sich selbst als Akteur aus diesem Gemengelage nicht ausschließt , sondern als Spielball mitten in die Manege katapultiert (besonders beeindruckend: Schon zu Beginn seiner Karriere ergänzte er seinen Vornamen Pascal um ein „e“ und schrieb damit Fragen nach Geschlechtsidentität und Sexualität direkt in seinen Namen ein).

Tolle Ausstellung. Dicke Empfehlung. Läuft noch bis zum 27.04.2014.

Der zweite Teil des Sonntagsausfluges führte via Seilbahnfahrt auf den Pfänder. Das ist ein Berg. Da kann man drauf rumlaufen, was essen und runterschauen. Wenn man damit fertig ist, fährt man wieder ins Tal. War schön, macht Spaß. Aber für metaphorische Naturbeschreibung fühle ich mich derzeit noch zu agil, ich spar mir das fürs Altersblog auf.

Weiterführende Links:

Kunsthaus Bregenz
Homepage von Pascale Marthine Tayou
Artikel über die Ausstellung im Monopol-Magazin

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